Kolumne
19. Januar 2012
Neue Landesstiftung fördert Ehrenamt
Ein Drittel der 6 Mio. in Hessen lebenden Menschen engagiert sich ehrenamtlich. Damit ist Hessen eine Hochburg des Ehrenamtes!
Dieses bürgerschaftliche Engagement ist ein zentrales Thema der Zukunft, wie Ministerpräsident Volker Bouffier in seiner Regierungserklärung vom 7. September 2010 feststellte. Seit letzter Woche gibt es die Landesstiftung „Miteinander in Hessen“, die Initiativen zur Stärkung der Gemeinschaft entwickeln, fördern und begleiten wird. Aktionsfelder der Stiftung werden vornehmlich Bildung, Integration, Kultur, Gesundheit, Umwelt, Daseinsvorsorge auf dem Land und generationenübergreifende Projekte sein.
Der Zweck der der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ ist, bürgerschaftliches Engagement und private Initiativen zugunsten gemeinnütziger, mildtätiger und kirchlicher Zwecke zu fördern.
Die Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ wird ihre Arbeit in vier Schwerpunkten wahrnehmen. Erstens tritt sie als Dienstleister für bestehende private Initiativen und Organisationen auf, zweitens wird sie mit anderen Institutionen, Organisationen und Initiativen kooperieren, drittens eigene Projekte entwickeln und durchführen sowie viertens auch gesellschaftliche Debatten anstoßen.
Erfreuliche Ansätze ehrenamtlichen Engagements gibt es auch in unserer Heimatregion. Der Landkreis Fulda ist geprägt durch eine Vielzahl von Sport-, Musik-, Gesangvereinen und Freiwilligen Feuerwehren, aber auch Vereinen, wie beispielsweise „Pate und Partner“ oder die freiwilligen Hospizdienste, die sich sozialen Aufgaben verschrieben haben.
Ein besonders bemerkenswertes Beispiel für ehrenamtliches Engagement finden wir in den Kommunen Ebersburg und Gersfeld. Dort wurde mit dem „Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal e.V.“ schon 2007 ein Verein geschaffen, der sich den durch den demographischen Wandel bedingten gesellschaftlichen Veränderungen annimmt. Handlungsfelder sind dabei Hilfs-, Freizeit- und Bildungsangebote für Senioren, Familien sowie hilfsbedürftige und behinderte Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen.
Um es älteren und hilfsbedürftigen Menschen zu ermöglichen, möglichst lange im eigenen, meist selbst erbauten Wohnhaus leben zu können, bietet der Verein „Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal“ haushaltsnahe Dienst- und Hilfeleistungen auf Grundlage ehrenamtlicher Arbeitseinsätze an. Darüber hinaus gibt es auch interessante Freizeitangebote, wie Erzählcafes, Tanztees, Ausflugfahrten, Bürgerkinos mit Kindervorstellungen am Nachmittag und gemeinsamem Mittagstisch.
Im Rahmen dieses Miteinanders profitieren die verschiedenen Generationen voneinander. So bietet die junge Generation Computerkurse für Senioren an und die ältere Generation betätigt sich in der Kinderbetreuung als „Leih-Oma“ und „Leih-Opa“ sowie in Vorlesestunden für Kinder.
Ein weiteres Projekt stellt die „Selbsthilfegruppe bei Demenz in Ebersburg / Gersfeld“ dar. Hier wurden in einem ersten Lehrgang zehn ehrenamtliche Demenzbegleiter ausgebildet, die an einzelnen Tagen für mehrere Stunden die Demenzkranken in ihrer gewohnten Umgebung betreuen und damit die Angehörigen bei der häuslichen Pflege entlasten.
Dieses Projekt wurde auch vom Sozialministerium des Landes Hessen unterstützt und die Hochschule Fulda begleitet es wissenschaftlich.
Der Verein „Miteinander-Füreinander Oberes Fuldatal“, der im Rahmen einer interkommunalen Zusammenarbeit zwischen Ebersburg und Gersfeld entstand, bietet exemplarisch Chancen und Lösungen für anstehende Aufgaben und Herausforderungen im ländlichen Raum, die durch den demographischen Wandel bedingt werden. Ähnliche Ansätze und Überlegungen gibt es auch in anderen Kommunen des Landkreises.
Mit der Landesstiftung „Miteinander in Hessen“, deren Stiftungskapital von derzeit 3,7 Mio. bis 2014 auf 20 Mio. Euro anwachsen soll, hat sich das Land Hessen dieser Aufgabe angenommen.
Die Richtung stimmt, denn der Druck des demographischen Wandels auf den Staat wird zunehmen. Mehr privates Miteinander und Füreinander können für Entlastung sorgen.